Die Kopie der Beethoven-Ausstellung von 1902.
© Manfred Seidl/Belvedere
Die neue Schau im Belvedere ist ein Klimt-Hoffmann-Erlebnispark im besten Sinne – und wohl im Sinne der Künstler.
Es war das Gesamtkunstwerk, dem ihr gemeinsames Streben galt – nicht nur die Werke an sich waren, was Klimt und Hoffmann interessierte, sondern auch ihre Einbettung in den Raum und dessen Gestaltung. Somit dürfte es in ihrem Sinne sein, wenn man nun im Belvedere als Vorbote des Klimt-Jahres 2012, das zahlreiche Ausstellungen zu dem vor 150 Jahren geborenen Künstler bringt, eine Schau über ihre Zusammenarbeiten mit zahlreichen originalgetreuen Nachbauten zeigt.
Das geht bis zur Rekonstruktion des ambitioniertesten Projektes der beiden in Sachen Gesamtkunstwerk: Vom Palais Stoclet in Brüssel, dem öffentlich nicht zugänglichen Meisterwerk Hoffmanns, das heuer seinen 100. Geburtstag feiert, wurde das Treppenhaus 1:1 und sogar mit Carrara-Marmor jener Ader, aus der der Marmor damals gewonnen wurde, ins Untere Belvedere gestellt. „Das hat man in Wien noch nie gesehen“, sagt Direktorin Agnes Husslein.
Beethovenfries
In Wien zwar normalerweise – in der Secession – sehr wohl zu sehen ist Klimts Beethovenfries, doch im Belvedere präsentiert man ihn nun zwar in Kopie, aber in seinem originären Umfeld. „Wir zeigen den Raum so, wie er von Hoffmann konzipiert worden war.“ Die gesamte Beethoven-Ausstellung ist in Modellform zu sehen, der linke Raum, in dem sich der Fries befand, in Originalgröße, mit den Durchsichten, gepolsterten Sitzbänken, goldenen Balken, in die Wand eingelassenen Bildern, originalgetreuen Teppichen,.... So wird die ursprüngliche und von den Künstlern angestrebte und durchdachte Raumwirkung nachgestellt.
„Wir wollten keine reine Gemäldeausstellung machen, sondern die Zusammenarbeit zwischen Klimt und Hoffmann beleuchten“, sagt Husslein. Hoffmanns Spuren finden sich oft in Klimts Bildern – Fritza Riedler sitzt in dem berühmten Porträt auf einem von Hoffmann gestalteten Fauteuil, hinter ihr ein Kasten, den dieser für Klimt anfertigte. Auch die Porträts Marie Hennebergs und Hermine Gallias, zweier Damen, für die Hoffmann oft arbeitete, zeigen seine Arbeiten. Im Belvedere stehen nun neben den Porträts eben jene Möbel, die auf ihnen zu sehen sind, darunter ein Kasten, den Hoffmann Klimt als Mittel gegen seine Unordnung ins Atelier stellte, wie Kurator Alfred Weidinger erzählt, der auch erläutert, dass die beiden Künstler „schwierige, hoch komplexe Persönlichkeiten“ waren, „die eigentlich gar nicht zusammen passen.“ Auch auf den intensiven Austausch mit der belgischen Kunstszene geht die Ausstellung ein, Vergleiche können anhand von Klimts und Ferdinand Khnopffs Werken angestellt werden.
Wiedergefunden
Ein Besonderheit unter den Porträts ist jenes von Barbara Flöge – seit 1928 galt es als verschollen, nun haben die Ausstellungsmacher es im Privatbesitz gefunden. „Man kannte nur Abbildungen in schwarz-weiß. Es ist jetzt erstmals seit den 1920er-Jahren wieder öffentlich ausgestellt, das ist eine echte Sensation“, freut sich Husslein.
Die Gemälde, Architekturpläne, Rekonstruktionen, Modelle, historischen Dokumente und vieles mehr lassen den Gleichklang zwischen bildender und angewandter Kunst spüren, der Klimt und Hoffmann wichtig war. Husslein: „Wir zeigen in dieser Ausstellung Exponate in einem Zusammenhang, in dem man sie noch nie gesehen hat und wohl auch nicht mehr sehen wird.“
Theresa Steininger









