Wien | Ausstellungen

Spritzen, schütten...von der Wand springen

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Spritzen, schütten...von der Wand springen

Zwischen Richter (re.), Scheibl, Bohatsch und West.
© MUMOK

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Gerhard Richter: Parkstück
© Gerhard Richter/MUMOK

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Herbert Brandl: Ohne Titel.
© Herbert Brandl/MUMOK

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Rauschenbergers "Diplomat" und Chamberlains "Trixi Dee" und "Americain Star"
© MUMOK

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Hermann Nitsch: Kreuzwegstation.
© MUMOK/VBK 2010

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Jackson Pollock: Painting No. 7
© MUMOK/VBK 2010

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Sechzig Jahre Malereigeschichte von Kunstwerken, die den Malprozess auf die Leinwand bringen, bis zu Arbeiten, die über diese hinauswachsen, zeigt das MUMOK in der Ausstellung „Malerei: Prozess und Expansion“ bis 3. Oktober.

Sonne und Meer oder doch "nur" impulsive Pinselstriche von rechts nach links? Ist Herbert Brandls Gemälde nun rein prozessual oder zeigt es doch ein Motiv? Die Ausstellung „Malerei: Prozess und Expansion“ lotet die Wege aus, die die Malerei seit 1950 gegangen ist. Zugemalt, angespritzt, angeschüttet, zugespachtelt und vieles mehr haben die Künstler seither ihre Leinwände, wie nahezu 200 Werke verdeutlichen. „Die Absage an Komposition und Narration und die Zuwendung zur Selbstreflexion hat viele Aspekte hervorgebracht, wir haben uns aber auf jene von Prozess und Expansion beschränkt, da wir zu beiden Themen viele Werke in der Sammlung hatten und außerdem österreichische Künstler im internationalen Kontext darstellen wollten“, sagt Direktor Edelbert Köb, der mit dieser Schau, in der die Beschäftigung mit den Malvorgängen und das Spiel mit denselben, die Rolle des Zufalls in der Kunst und die zunehmende Einbeziehung von Objekten anschaulich dargestellt wird, seine letzte präsentiert.

Der Pilz nagt

Da findet sich also Alfons Schillings Leinwand, die auf einer rotierenden Scheibe angetropft wurde, ebenso wie ein Dripping-Gemälde eines Jackson Pollock und eine Arbeit von Dieter Roth, die langsam von einem Schimmelpilz aufgefressen wird. Ein zentraler Raum in der Mitte des Prozess-Stockwerks versammelt eingangs erwähnten Brandl, ein Parkbild Gerhard Richters, der immer genau die selbe Gestik verwendete und mit diesem Bild laut Köb weniger Bäume und Wiesen als vielmehr den Malprozess darstellen wollte, ein Werk Hubert Scheibls, der neben aller Konzentration auf den Prozess doch Assoziationen zulässt, sowie Tische von Franz West, auf denen er seine Skulpturen bemalt hat. Selbstreflexiv auch die Arbeiten von Max Weiler, der seine Probierblätter zu Gemälden umwandelte (noch bis 29.8. auch im Essl Museum in Klosterneuburg zu sehen). 

Kein so kleines Experimentierfeld

Monochrome Tendenzen sind durch Yves Klein vertreten, aber auch durch Referenzen an ihn – solche, die Arbeitsspuren aufzeigen (Schwarzkogler) und solche die leuchten wollen (Marioni, Olitski). „Die Künstler wollten in dieser Zeit möglichst alles ausschließen, was bisher mit Malerei zu tun hatte – Illusion, Komposition, Narration. Eigentlich könnte man denken, das sei ein kleines Experimentierfeld, das schnell erledigt sein müsste. Aber in diesem engen Feld gibt es für sensible Augen doch Tausende Varianten“, so Köb. „Wiewohl es einige Künstler gibt, die sagen: 'Was ihr darin sehen wollt, ist für mich nicht wichtig' – und es ist ihnen doch wichtig.“

Das MUMOK zeigt jedoch nicht nur ernsthafte Auseinandersetzungen mit neuen Malerei-Strömungen. Auch der Ironie und dem Zufall in der Kunst wird Platz eingeräumt, wenn Karin Sander eine Leinwand ausstellt, die über Wochen in einer Autowerkstatt Ölspritzer abbekommen hat. Und wenn Christian Eisenberger gelbe Farbe die Wand der Ausstellungshalle hinabrinnen lässt.

Kunst fliegt durch die Gegend

Noch weiter gedehnt wird der Malerei-Begriff schließlich im der Expansion gewidmeten Stockwerk des MUMOK mit Arbeiten von Daniel Spoerri, Robert Rauschenberger, Heimo Zobernig und vielen mehr. Wo die Kunst laut Köb „von der Wand springen und durch die Gegend fliegen darf“, finden sich Bilder, die auf den Boden hinuntergerutscht sind, ein Acryl-Kühlschrank, eine bemalte Waschrumpel, zerquetsche Autoteile. Wer sich am Bild abgearbeitet hatte, suchte neue Formen der Kunst....und der Begriff Malerei wurde sehr dehnbar.

Alles schon dagewesen

Erklärtes Ziel des Kurator und MUMOK-Direktors ist es, mit dieser vielseitigen Ausstellung „die Besucher im Sehen zu schulen und aufzuzeigen, was alles schon da war“, sagt Köb. „Oft kommen Studenten und junge Künstler mit Ideen zu mir, die man schon lange kennt – eigentlich sollte die Ausstellung dauerhaft bleiben“, sagt er etwas traurig. Denn die hochinteressante Gegenüberstellung verschwindet schon am 3. Oktober wieder ins Depot.

Theresa Steininger


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