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Erwerb geistigen Kapitals

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Erwerb geistigen Kapitals

Ein Ort der Konzentration: die Raumordnung des Adolf Krischanitz im Archiv der Zeitgenossen
© Lukas Roth Cologne

Lebenswerke. Den 2009 erworbenen Vorlässen des Musikers Friedrich Cerha und des Literaten Peter Turrini wird mit dem Archiv der Zeitgenossen ein besonderer Platz innerhalb des Campus der Donau-Universität Krems eingeräumt. 

D as Besondere an der Idee, für herausragende Persönlichkeiten verschiedener Kunstsparten ein Archiv zu gründen, ist neben der weitsichtigen Vorgangsweise gegen den Verlust von geistigem Eigentum für die Wissenschaft und dem öffentlichen Zugang für alle Interessenten die ansprechende Ausstattung durch den bekannten Architekten Adolf Krischanitz.

Architektur, reduziert auf das Wesentliche

Die vier unterirdischen Räume haben eine Entsprechung in einem von Stein umfassten Rasengeviert außerhalb, ­wobei hier wie über den Türen die Namenszüge als Signets ­eingeschrieben sind. Innen bilden eine grün gestrichene Tür zur weißen Wand im Veranstaltungsbereich und eine schwarze Täfelung zu den weißen und metallfarbenen Akzenten der Vitrinen Gegengewichte ohne Schwere. Mit dem Lichtspiel aus transluziden Decken und ­geometrisch an die Tischkanten versetzten Leuchten zu einem ebenso streng gehaltenen Regalverbau mit Laden und Klappen wird einem Minimalismus gehuldigt, der Kühle erwarten ließe. ­Krischanitz setzt jedoch die Wärme der Holzfarbe – im Fall des Turrini-Raumes Birke, bei Cerha Kirsche, Nuss und Eiche für zwei weitere Künstlerpersönlichkeiten – klug als ­Gegensatz ein. Mit der Holzmaserung lässt er wie in den Schrägen, die in Vitrinen und Stühlen wiederkehren, ein wenig barockes Ornament in die klare Geste der Moderne einfließen. Die 570 Originalmanuskripte oder Partituren, 5.000 Briefe, hunderte Plakate, Zeitungskritiken, Bücher, Ton- und Bildträger der Protagonisten finden also nicht nur eine klimakontrollierte Umgebung, sondern würdige Bühnenboxen vor.

Vorlässe von Friedrich Cerha und Peter Turrini

Cerha (Jahrgang 1926) und Turrini (Jahrgang 1944) treffen als Wahlniederösterreicher aufeinander, Turrini schrieb aber auch das Libretto zu Cerhas Oper „Der Riese vom Steinfeld“, die 2002 in der Wiener Staatsoper uraufgeführt wurde. Beide haben Musik und Theater weiterentwickelt, und das spartenübergreifend. Auch als gesellschaftskritische Vermittler ihrer von traditionellen Formen befreiten Interpretationen gelten sie als Pioniere.

Cerha studierte neben Musik Germanistik und Philosophie in Wien, war früh mit dem Schönbergkreis, dem Art-Club und der Darmstädter Avantgarde des Serialismus verbunden, arbeitete als Dirigent und unterrichtete Komposition. Seiner Wahlheimat widmete der vielfach Geehrte die „Langegger Nachtmusiken“. Turrini ist seit dem Stück „Rozznjogd“ (1971) und dem Filmskript zur „Alpensaga“ mit Wilhelm Pevny einem breiten Publikum bekannt, seine Stücke sind in 31 Sprachen übersetzt. Wie Cerha Alban Bergs Oper „Lulu“ spielbar machte, hat er Goethes „Faust“ mit einem Teil III versehen. Nach ihrer von Skandalen umwobenen Frühzeit sind die beiden Künstler nun Vernetzer für Forschungsprojekte und wissenschaftliche Tagungen.

Das Archiv wird mit der Erschließung der Bestände auch Kompetenzzentrum für die Herausgabe von Publikationen sein – damit und als Vermittler für Schulen und ein kulturell interessiertes Publikum ein Ort der Zukunft. Dieses aktuelle Archivieren von Zeitgenossen sollte auch in der bildenden Kunst Schule machen und den veralteten Typus des monografischen Museums ablösen.

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer     


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