Art brut. Die Herbstausstellungen im Art/Brut Center Gugging: Präsentiert wird Versponnenes von Judith Scott (USA), Fantastisches von Sava Sekulić (Kroatien), Krakeliges von Kunizo Matsumoto und Yuichi Saito (Japan).
D ie Präsentation von Art brut quer über die Kontinente hat im – erst vor vier Jahren eröffneten – Museum Gugging bereits eine gewisse Tradition: So zeigte man im Vorjahr die Ausstellung „liberty.! – african american artists“, und im November 2007 eröffnete man nicht nur eine Schau mit dem Titel „sybille.! internationale art brut“, sondern auch eine Personale des Japaners Shintaro Miyake.
Die Herbstausstellungen in Gugging warten nun erneut mit Kunst aus aller Welt auf – auch wenn man den Streifzug mit der Präsentation „gugging classics“ startet. Namen wie August Walla, Oswald Tschirtner oder Johann Garber, deren originelle Werke immer wieder zu beeindrucken vermögen, zählen jedoch ohnehin längst zum Who’s who des internationalen Art brut.
Der Zusammenhang zwischen Tier und Mensch
Die Reise führt weiter auf den Balkan: In Dalmatien wurde Sava Sekulić (1902–1989) geboren, dessen Zeichnungen wie Illustrationen von Volksmärchen erscheinen. Gerne verschränkte er tierische und menschliche Figuren; auf einem seiner bestechenden Bilder türmen sich Wolkenkratzer auf einem Hirsch, dessen Körper von Fenstern durchlöchert ist – darunter fahren munter Autos durch. Doch nicht als Modernekritik lassen sich derartige Bildfindungen verstehen – sondern es spricht daraus „der Glaube, dass es eine Verbindung zwischen Tieren und Menschen gibt“, wie es in einem Katalogtext über Sekulić heißt.
Spinnennetz
Eine größere Distanz als Sekulićs Fantasywelten haben die Arbeiten der Amerikanerin Judith Scott (1943–2005) zurückzulegen. Außergewöhnlich für die Outsider-Art, handelt es sich dabei um Objekte. Scott verwob in oft monatelanger Arbeit Alltagsgegenstände – wie etwa Räder, Körbe, Zwirnspulen – mit ungeheuren Mengen an Schnüren, Garnen, Seilen und Stoffen zu wundersamen weichen, elastischen Skulpturen. „Judith bei der Arbeit zuzusehen, die langsame Entwicklung eines ‚Dings‘ zu beobachten, ist nicht weniger faszinierend als Schritt für Schritt das Entstehen eines Spinnennetzes oder eines Kokons zu beobachten“, schreibt ihr Biograf John M. MacGregor. Wie diese feinen Arbeiten zu den parallel dazu präsentierten, abstrakt bemalten Schilden aus Neuguinea passen, das wird freilich abzuwarten sein.
Japanische Art brut
Die letzte Station der Gugginger Herbstreise führt nach Japan: Junko Yamamoto – die heute in den USA lebt – zeigt ihre knallig bunten Filzarbeiten, deren Farbigkeit einen Rezensenten einmal an Werbeillustrationen der 1950er Jahre erinnerten. Weniger farbenfroh geht es bei Kunizo Matsumoto und Yuichi Saito zu: Beide krakeln unzählige Bögen Papier mit Schrift und Zeichnungen voll – Matsumoto beschreibt geradezu obsessiv offenbar alles, was ihm zwischen die Finger kommt, mit berückenden Ideogrammen; Yuichi Saito dagegen, eine Art japanischer Cy Twombly, kritzelt immer wieder ein und dasselbe Wort auf ein Blatt – egal, ob es sich um den Begriff „Pokemon“ oder Titel von Fernsehshows oder Videospielen handelt. Wie und ob sich der japanische Art brut vom österreichischen unterscheidet, das lässt sich vor Ort überprüfen.
Von Nina Schedlmayer









