Tschechien | Slowakei | Wien | Ausstellungen

Kritik und Ironie aus Brno

» English

Kritik und Ironie aus Brno

Lenka Klodová: Name Me Anew, 2008, Farbfoto
© Haus der Kunst Brünn

« 1/3

Kritik und Ironie aus Brno

Milena Dopitová: M.M.D, 2008, 3-Kanal-Videoprojektion
© Haus der Kunst Brünn

« 2/3

Kritik und Ironie aus Brno

Kateřina Vincourová: Von innen nach aussen, 2006, Installation, Unterwäsche, Luftballone
© Haus der Kunst Brünn

« 3/3

Das MUSA zeigt künstlerische Ansichten der neuen tschechischen und slowakischen Identität, die Schau "Formate der Transformation 89-09" ist eine Gastausstellung des Hauses der Kunst Brno.

„Vielen Dank für alles, was Sie für die slowakische bildende Kunst geleistet haben, aber jetzt verpissen Sie sich“, so projizierte Viktor Freso 1974 auf die Slowakische Nationalgalerie in Bratislava. Erik Binder sprayte einen Stern auf eine Skulptur des kommunistisch-parteitreuen Bildhauers Jan Kulich, Otex A Owad reihte westliche Firmennamen wie Coca-Cola, Calvin Klein, Konika, Nintendo und evian aneinander.

Wie gingen tschechische und slowakische Künstler in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit den Veränderungen in ihrer Gesellschaft um? Inwiefern gebrauchten sie Kritik, Subversion und Ironie? Dies soll die Ausstellung „Formate der Transformation 89-09“, die als Gastausstellung des Hauses der Kunst Brno nun im Museum auf Abruf (MUSA) in Wien zu sehen ist, beleuchten. Hierbei wurde absichtlich keine Beschränkung auf tschechische Kunst vorgenommen. „Die Unterschiede zwischen der slowakischen und der tschechischen Szene sind so minimal. Die Kommunikation im künstlerischen Feld ist sehr eng und gut", sagt Projektleiter und Co-Kurator Frantisek Kowolowski. Man habe versucht aufzuzeigen, welche Themen zwischen Politik, Genderfragen, Identität und Geschichte für tschechische und slowakische Künstler wichtig waren und sind.

Tschechischer Hosenscheißer

Die Ausstellung beginnt mit einem provokanten Satz, der quer über eine Wand geschrieben steht: „Ich bin ein tschechischer Hosenscheißer, der geglotzt hat, als sie die Juden verluden, der die Nazis mit `Heil` gegrüsst, den Kommunisten zugewunken und dann die Sicherheit des Zehnfachen für sich beansprucht hat“. Eine „typisch tschechische Zugangsweise zwischen Leben und Realität“ nennt Kowolowski diese Arbeit der Künstlergruppe Pode Bal, die auf der gegenüberliegenden Wand auch mit Fotos hübscher Frauen vertreten ist, die auf ihrem T-Shirt ein Logo tragen, das jenen vom Kentucky Fried Chicken ähnelt, jedoch die Buchstaben TGM für Tomas Garriguee Masaryk, den ersten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, den „Präsidenten-Befreier“, trägt.

"Übertreibung wichtig"

„Übertreibung ist für die tschechische Kunstszene wichtig“, resümiert Kowolowski.  Die Schau soll auch zeigen, wie die Beziehung zwischen Mann und Frau sich in Tschechien und der Slowakei verändert hat, welche Traumata hinter dem Vorhang verborgen blieben. Doch zwischen einer Blockhauswand, deren Lamellen sich bewegen, wenn man durchgeht, einer Mieder-Ball-Installation, von der Decke hängenenden, strom-geladenen, goldbemalten Zucchini und dem durch die gesamte Ausstellung dröhnenden Gesang dreier Mädchen, die die tschechoslowakische Hymne singen, erschließt sich kein Gesamtbild.

Selbst wenn eine der sechs Co-Kuratoren sich in ihrem Text wünscht, dass die Ausstellung „eine Erkundung unseres kommunistischen und postkommunistischen Andersseins ist, der Versuch einer Vorstellung des tschechischen und slowakischen Kunstschaffens im Kontext der internationalen Kunstproduktion “, so gibt auch ihr Kollege Rostislav Korycanek in seinem einführenden Katalogtext zu, das Projekt „Formate der Transformation 89-09“ respektiere „die Grenzen einer solchen Rekapitulation: Das durch das Projekt vermittelte Bild ist keine Bewertung [...] der wichtigsten Entwicklungen in Tschechien und in der Slowakei. Es ist vielmehr ein metaphorischer Fingerzeig auf die stets präsenten Rückstände und Transformations-Ablagerungen, die den Wandel in der tschechischen und slowakischen Gesellschaft und letztlich auch in der Kunstszene selbst begleiten.“

Kunst-Kooperation Wien-Brno

Die Schau ist jedenfalls der Anfang einer Kooperation zwischen MUSA und Haus der Kunst Brno, in Brno ist derzeit die MUSA-Ausstellung „Lange nicht gesehen“ mit Arbeiten von Günter Brus, Valie Export, Hermann Nitsch, Arnulf Rainer, Erwin Wurm, Franz West und vielen mehr aus der MUSA-Sammlung, die seit 1951 besteht, zu Gast.

MUSA-Leiter Berthold Ecker nennt Centrope „einen hot spot Europas in der zeitgenössischen Kunst, wobei der Kontakt zwischen Wien und Tschechien noch ausbaufähig ist“, weshalb er sich besonders über die vorliegende Ausstellung - "die erste über zeitgenössischen tschechische und slowakische Kunst, die in den vergangenen 20 Jahren in Wien gemacht wurde" - und die in den vergangenen vier Jahren aufgebaute Kooperation freue. Aufgabe des MUSA sei es schließlich auch, österreichische respektive Wiener Kunst ins Ausland zu tragen. Auch Bernhard Denscher, Leiter der Kulturabteilung der Stadt Wien, freut sich über den „hochrangigen Partner“, den man im Haus der Kunst Brno gefunden hat, „einer der wichtigsten Plätze für zeitgenössische Kunst in Centrope.“ Die Schau sei eine „Einladung an das Wiener Publikum sich verstärkt mit den Nachbarn auseinander zu setzen und auch nach Brno zu fahren.“

Theresa Steininger


Bookmarken bei:

  • Hinzufügen zu Del.icio.us .
  • Hinzufügen zu digg .
  • Hinzufügen zu Facebook .
  • Hinzufügen zu Google Bookmarks .
  • Hinzufügen zu Technorati .
  • Hinzufügen zu Mister Wong .



k2 Podcast

September 2010 (1): Interview mit Sängerin Violetta Parisini und mit BA Kunstforum Wien-Direktorin Ingried Brugger

Partner

  • Kultur Niederösterreich
  • Raiffeisen
  • Wien Kultur