Das Leopold Museum zeigt „Verborgene Schätze der österreichischen Aquarellmalerei“ von der Biedermeierzeit bis zur Gegenwart und mit Schwerpunkten auf Schiele und Rudolf von Alt.
„Abgehäutete Hasen“, so nannte ein Bekannter Schieles dessen charakteristische Figuren in Aquarellen mit hageren Gesichtszügen, melancholischen Augen und langgliedrigen Händen. Schiele war damals amüsiert und kündigte noch zahlreiche "abgehäutete Hasen" an. So wurde auch Gustav Klimt zum "Hasen" - als Schiele ihn porträtierte, durfte er zwar seinen berühmten blauen Malerkittel behalten, ansonsten bekam er von seinem Kollegen auch jenen ausgezehrten Ausdruck verpasst. 188 Arbeiten auf Papier besitzt das Leopold Museum von Egon Schiele, und wenn Rudolf Leopold eine Ausstellung zu Aquarellen macht, stehen Schieles Werke selbstverständlich im Mittelpunkt, ja ist die Schau laut Co-Kurator Franz Smola „eine kleine Schiele-Ausstellung geworden, da er zu jenen Künstlern gehört, bei denen die Aquarelle nicht hinter den Gemälden rangieren, sondern von der Bedeutung her gleichwertig sind.“ Eine Einstellung, die Schieles „Model“ Gustav Klimt nicht teilte, er fertigte kaum Aquarelle an, umso bemerkenswerter die Vorstudie zu dem Gemälde „Judith II“, die im Leopold Museum gezeigt wird.
Selten zu sehen
„Verborgene Schätze der österreichischen Aquarellmalerei“ nennt das Museum seine Ausstellung anlässlich des 85. Geburtstags seines Gründers, des Sammlers Rudolf Leopold. Von den 5.700 Kunstwerken der Sammlung des Museums sind rund tausend Aquarelle. 200 davon werden nun der Öffentlichkeit präsentiert, teilweise erstmals, da die Blätter wegen ihrer Lichtempfindlichkeit nur selten und nur über kurze Zeit ausgestellt werden dürfen. „Was Sie hier sehen, sehen Sie danach wahrscheinlich für längere Zeit nicht mehr“, sagt Peter Weinhäupl, der kaufmännische Direktor.
Leopolds Lieblinge
Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den beiden Lieblingen des Sammlers und Kurators Rudolf Leopold: Egon Schiele und Rudolf von Alt. Elisabeth Leopold, seine Gattin und Co-Kuratorin, nennt die Schau daher „eine zutiefst leopoldinische, denn sie zeigt die Schwerpunkte seiner Liebe. Wenn man ihn fragt, warum er diese beiden Künstler neben einander ausstellt, so sagt er einfach: Weil sie beide wunderbar sind.“
Von Rudolf von Alt werden – gleichsam wie eine Ergänzung zur derzeit laufenden Ausstellung in der Albertina – zumeist großformatige Arbeiten gezeigt, seine Landschaftsbilder zeichnen sich auch hier durch die große Lebendigkeit und Detailverliebtheit aus. Besonders eindrucksvoll: sein venezianischer Dogen-Palast mit dem Einfall der Sonne in unterschiedlicher Intensität und seine „Eisengießerei“, für die Leopold 1997 einen neuen Rekordpreis für von-Alt-Werke zahlte.
Die Schau zieht sich nach den Schiele- und von-Alt-Räumen chronologisch über zwei Jahrhunderte österreichischer Aquarellmalerei: von der Biedermeierzeit, in der etwa Fendis Genrebilder prägend waren, über den Stimmungsimpressionismus mit guten Beispielen etwa von Marie Egner, dem Wiener Jugendstil und dem frühen Expressionismus eben bei Schiele und Klimts „Judith II“-Studie, den unterschiedlichsten künstlerischen Ausprägungen des Aquarells bei Herbert Boeckl, der durch mosaikhafte Farbspuren flimmernde Effekte erzeugt, Wilhelm Thöny, der seine Stadtansichten wie im zarten Dunstschleier erscheinen lässt, bis zu aktuellen Positionen wie Gouachen von Karl Stark, die auf Verrinnen der Formen setzen.
Eigener Raum für und über Leopold
Zusätzlich zu „Verborgene Schätze“ gibt es im Leopold Museum als Novität einen Raum über die Sammlertätigkeit des Ehepaars Leopold, in denen aus einzelnen Schwerpunktthemen ihrer Kollektion (von Waldmüller und Wiener Werkstätten über Asien und Afrika bis Josef Hoffmann) Beispiele gezeigt werden.
Theresa Steininger









