Chopins Zeit in Wien wird in einer Ausstellung im Haus der Musik dokumentiert, diese ist bis Ende April zu sehen.
„Er ist ein junger Mann, der auf eigentümliche Weise geht, auf diesem Wege zu gefallen weiß.“ So schrieb der Kritiker Adolf Bäuerle 1829 nach Frédéric Chopins erstem Konzert in Wien. Und: „Chopin überraschte, da man nicht bloß ein schönes, sondern ein wirklich sehr ausgezeichnetes Talent in ihm entdeckte.“ Der junge Pole war damals für 21 Tage nach Wien gekommen, zwei Auftritte als Pianist machten ihn in der Musikmetropole bekannt. Als er jedoch ein Jahr später abermals nach Wien kam, wurden seine hohen Erwartungen enttäuscht, innerhalb von acht Monaten wurde ein einziges Konzert seinerseits zuerst angekündigt, dann abgesagt, es fand schließlich mit wenig Erfolg statt, was auch an der damals herrschenden Abneigung der Wiener gegen polnische Kultur, die aus den Aufständen in Wahrschau her rührte, gelegen sein dürfte. Jedenfalls: Wien war für den jungen Chopin in der Zeit von 1829 bis 1831 prägend, weshalb das Haus der Musik ihm anlässlich seines 200. Geburtstags eine Ausstellung widmet.
Erfolg und Resignation
100 Exponate wurden zusammen gestellt, laut Kurator Piotr Szalsza „alle wichtigen Dokumente, die mit diesem Aufenthalt verbunden sind.“ Tagebuchexzerpte Chopins, Briefe, Meldezettel, Noten, Bilder von Aufenthaltsorten, Presseausschnitte – eben auch jene eingangs zitierte Kritik Bäuerles - und Plakate sind ausgestellt, etwa jene Ankündigung, die da 1829 verspricht: „...wird Herr Friedrich Chopin, auf seiner Kunstreise von Warschau, die Ehre haben, auf dem Pianoforte sich hören zu lassen....“ Aber man sieht auch jenen Kommentar Chopins während seines zweiten Aufenthalts, in dem er resignativ schreibt: „Schon verkünden Zeitungen und Plakate mein Konzert und es geht mich so gar nichts an, als solle es nie stattfinden. Was mir früher groß erschien, erscheint mir heute gewöhnlich.“ Die Schau ist chronologisch gehängt und als Erzählung in Ich-Form gestaltet, die sich auf Briefe Chopins stützt.
„Wir haben neue Ermittlungen zur Biografie angestellt, neueste Arbeiten herangezogen und neue Kritiken gefunden“, so Szalsza. Im Zuge der Vorbereitungen wurde auch bewiesen, dass ein Konzert, das bisher als fix galt, gar nie stattgefunden hat: „Es macht Spaß, wenn man die Geschichte eines so großen Mannes umschreibt.“
Dokus und Konzerte
Zusätzlich zu 50 Schautafeln und einer Skulptur im Innenhof, die gleichsam in die Ausstellung geleitet, gibt es Fernsehdokumentationen des Kurators zu sehen. Außerdem finden bis in den Herbst begleitende Konzerte statt, am 16. April etwa das „Chopin around“-Konzert, bei dem „junge Musiker aus Polen und Österreich virtuos beweisen werden, dass Jazz auch Chopin, dass Chopin auch Jazz sein kann“, so der Direktor des Haus der Musik, Simon Posch. Im Sommer werden auch die samstäglichen Konzerte im Innenhof Chopin gewidmet.
Theresa Steininger









