Die Albertina zeigt 120 Aquarelle von Jakob und Rudolf von Alt, Eduard Gurk und Leander Russ.
Ein Plauscherl auf der Esplanade in Ischl, eine Verschnaufpause beim Heuen vor den Toren von Salzburg, eine lustige Wanderung am Fuße des Dachsteins – in Aquarellen von Jakob und Rudolf von Alt sind es einerseits die Details, eben jene kleinen Geschichten innerhalb der Aquarelle, die den Reiz derselben ausmachen, andererseits die prachtvolle und doch unaufdringliche Verherrlichung der Landschaften des Kaiserreiches des frühen 19. Jahrhunderts.
Es war Thronfolger Ferdinand, bald danach Kaiser Ferdinand I., der den besten Aquarellisten seiner Zeit, Jakob Alt, Eduard Gurk und Leander Russ, den Auftrag gab, die Schönheiten des Österreichischen Kaiserreichs und der angrenzenden Länder zu dokumentieren. „Man darf sie aber trotz des Auftrags nicht als Konfektionsbilder abtun. Selbst wenn die kaiserliche Familie vorkommt, so ist sie nicht in Szene gesetzt – die Bilder sind ganz anders, als man es sich von einem imperialen Auftrag erwarten würde“, sagt Albertina-Direktor Klaus A. Schröder.
Vom Dachstein bis Capri
In den 300 Aquarellen der Serie, von denen heute noch 281 nachweisbar und 227 im Besitz der Albertina sind, stehen klar die Landschaften im Vordergrund. Zu sehen sind der Linzer Hauptplatz ebenso wie der Gosau- und der Traunsee, die Schönheiten Dalmatiens und Italiens, herausragend der Wasserfall von Tivoli und die Grotte von Capri, beide sind auf den drei Italien-Reisen von Vater und Sohn von Alt entstanden. Auch wenn viele Gemälde die Signatur Jakobs tragen, so weiß man heute, dass von den 170 Werken, die die Alts für die Serie schufen, 46 dem Sohn zugeschrieben werden können, Jakob hatte sie signiert, weil der Auftrag an ihn ergangen war, später reklamierte Rudolf eben 46 für sich.
Der Guckkasten-Irrtum
Bekannt wurde die gesamte Bilder-Reihe unter dem Namen „Guckkastenserie“, ein von Rudolf-von-Alt-Biograf Ludwig Hevesi geprägter Begriff. Kuratorin Marie Luise Sternath hat aber klar nachgewiesen, dass nur jene Gemälde aus der von Ferdinand I. beauftragten Serie, die sich heute in der tschechischen Burg Konpiste befinden, in einem Guckkasten verwendet wurden, nicht aber jene, die im Besitz der Albertina sind. Während die böhmischen Ausgaben heute mitgenommen aussehen, können die Wiener Exemplare in ihrer vollen Pracht bewundert werden.
Diese Bilder beduften auch keiner Lichtquelle, ihre Farben scheinen selbst zu leuchten. Ein Aspekt, der beim Rundgang klar die Überlegenheit von Vater und Sohn Alt, Gurk und Russ gegenüber Vorläufern zeigt. Diese Leuchtkraft ist es gemeinsam mit der Detailtreue und der Einstiegs erwähnten gelungenen Erfüllung mit Leben und der so erzeugten Atmosphäre, die diese Werke auszeichnet.
Theresa Steininger









