Einwanderer. Krieg und Mode als Entwicklungshelfer? – Manche Einwanderer bahnen sich auf ungewöhnliche Weise ihren Weg über den Globus.
Anfangs war es nur ein Gerücht, das aber flugs um sich griff. Unter Naturliebhabern wurde es als kleine Sensation gehandelt, galt das Objekt der Aufregung doch als ausgerottet. Tatsächlich haben die Biber das Mühlviertel seit einigen Jahren wieder als Heimat auserkoren. Im oberösterreichischen Saxen werden seither eigene Biberführungen angeboten, bei denen die possierlichen Tiere in freier Natur besichtigt werden. Für den Tourismus wird es vielleicht kein Meilenstein, für den Naturschutz ist es bereits einer.
Die Rückkehr des Bibers ist ein positives Beispiel für die Wanderlust von Tieren, die jedoch auch Tücken mit sich bringen kann. Aufschluss darüber gibt eine Ausstellung, die sich ab März den Pilgern aus Flora und Fauna widmet. Unter dem Titel „Aliens. Tiere und Pflanzen auf Wanderschaft“ wird im Niederösterreichischen Landesmuseum anschaulich gezeigt, wer wie und mit welchen Folgen wohin einwandern konnte.
Skurrile Invasionen und blinde Passagiere
Im Zeitalter der Globalisierung ist es nicht nur für Menschen einfach, große Distanzen schnell zu überwinden. Mit dem Menschen reist auch, ob beabsichtigt oder nicht, eine große Zahl von Lebensformen. Infektionskrankheiten wie SARS oder Vogelgrippe konnten sich durch die hohe Mobilität schnell über den gesamten Globus ausbreiten. Die Veränderung des Klimas führt dazu, dass sich auch Exoten in unseren Breitengraden wohl fühlen. Wie die gefürchtete Tigermücke, die in ihrer tropischen Heimat das Denguefieber überträgt. Sie hat Italien und Deutschland als neue Heimat entdeckt.
Im Fachjargon werden Arten, die mit Hilfe des Menschen als Einwanderer in ihnen fremde Gebiete gelangen, als Neobiota bezeichnet. Neue Arten überfordern aber oft das bestehende Ökosystem, verdrängen einheimische Tiere oder Pflanzen. Folgenschwere wie skurrile Invasionen musste Australien hinnehmen. Einen wahren Kollaps lösten 1859 rund 24 europäische Kaninchen aus, die von Engländern für den Jagdsport angesiedelt wurden. In wenigen Jahren wuchs die Kaninchenpopulation auf über 200 Millionen an und den Einwohnern die ganze Situation über den Kopf.
Der Rotfuchs als Katastrophe
Die Nager machten Schafen die Nahrung streitig und untergruben im wahrsten Sinne des Wortes das Land. Als vermeintliche Lösung wurde der Rotfuchs importiert. Leider entpuppte sich auch dieser Geniestreich als ökologische Katastrophe. Der Fuchs bevorzugte nämlich die australischen Beuteltiere. Schließlich wurde begonnen, mit unterschiedlichen Krankheitserregern zu experimentieren. Um 1950 konnte ein Pockenvirus entkommen, der endlich für einen deutlichen Rückgang der Kaninchen sorgte.
Ein weiterer Wanderer ist der kulleräugige Kinderliebling Bambi. Von europäischen Siedlern als Jagdtrophäe gedacht, konnte sich der Rothirsch in Neuseeland, Australien und ganz Amerika etablieren. Europa ist im Vergleich zu Australien von Schlimmerem verschont geblieben, obwohl es auch hierzulande etliche Neobiota gibt.
Wilder Götterbaum
Für den aus China stammenden Götterbaum war der Zweite Weltkrieg die Initialzündung. Auf Trümmerfeldern fand der Zierbaum ideale Lebensbedingungen, heute ist er der am häufigsten wild wachsende Baum Wiens. Eine nicht minder ungewöhnliche Entwicklungshilfe ist die Mode. Waschbär und Mink wurden Anfang des 19. Jahrhunderts aus Amerika importiert – mit der Aussicht, als Pelzmantel zu enden. Einigen Ausreißern gelang es jedoch, eine kleine Population aufzubauen. Dass die munteren Tiere auch bald unsere Mülltonnen durchstöbern, ist also gar nicht so utopisch.









