Die Kunsthalle Wien widmet der brasilianischen Kunstströmung "Tropicália" eine Ausstellung, die bis 2. Mai zu sehen ist.
„Der Mythos des Tropikalismus ist viel mehr als Papageien und Bananenbäume“, schrieb einst Hélio Oiticica. Oder wie Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien, es ausdrückt: „Hier geht es nicht um Sonne, Strand und Copa Cabana.“ Oiticica war einer der führenden Künstler der Bewegung Tropicália, die Matt „eine der wichtigsten Kunstströmungen Lateinamerikas“ nennt und der er ab 27. Jänner eine Ausstellung widmet. Diese schließe, so Matt, an die Bestrebungen seines Hauses an, den Blick hinaus aus der europäischen und angelsächsischen Kunstwelt zu werfen – und auf spannende Künstler von außerhalb.
Die Schau führt nach Brasilien und zurück in die 60er Jahre, als das Land unter der autoritären Militärdiktatur litt. Künstler wie der Sänger Caetano Veloso und eben Oiticica standen für eine aufkommende Antikunstbewegung, die die Trennung zwischen Kunst und Leben aufheben wollte, nicht Objekte im Vordergrund sah, sondern Kunst zur Herstellung kollektiver Verhaltensexperimente, Kunst als Bewegung hin zur Freiheit. Dabei wurden durchaus auch schlechter Geschmack und Kitsch als „Heilmittel“ gegen die Elitekultur angewandt.
Brasilianischer Aktionist
„Man versuchte mit einer kreativen Explosion und vereinten Kräften das Militärregime mit ästhetischen Mitteln zu bekämpfen“, sagt Kurator Thomas Mießgang. „Seja marginal, seja heroi“ – sei ein Außenseiter, sei ein Held - steht da gleich zu Beginn des Kunsthalle-Rundgangs auf einem Siebdruckporträts eines durchlöcherten Aufständischen von Oiticica. Artur Barrio erinnert in seinen hier fotografisch festgehaltenen Aktionen an den Wiener Aktionismus, wenn er in Textil geschnürte Bündel aus Blut, Fleisch und Innereien in öffentliche Räume bringt, seine Arbeiten wurden als Aufschrei gegen die Machtstruktur interpretiert.
Echte Papageien
Oiticicas Installation mit Papageien, Kies, Sand und Hütten kann der Kunsthallen-Besucher sogar begehen. Hinzu kommen Arbeiten des Filmemachers Glauber Rocha, solche von Anna Maria Maiolino und Antonio Dias. Unter die originalen Tropicália-Arbeiten werden solche von zeitgenössischen Künstlern gemischt, die den brasilianische Kunst-Widerstand zum Vorbild oder als Inspirationsquelle hatten.
Theresa Steininger









